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Social Media Megatrends

Die Anzahl der Nutzer*innen sozialer Netzwerke steigt konstant, das Gleiche gilt für Nutzungsdauer, Contentformate und -output. Doch wer sind die Treiber des Erfolgs von Social Media, und welche Chancen birgt das für die Wirtschaft? Ein Überblick.

Die Entwicklung von Social Media ist rasanter denn je. Das klingt zunächst erstaunlich, denn die sozialen Netzwerke hatten in jüngster Zeit vermehrt mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen, ausgelöst beispielsweise durch den Verdacht auf Wahlmanipulation durch Bots oder die erzwungene Transformation von Twitter zu X. Dennoch möchten – oder können – viele Nutzer*innen auf Facebook & Co. nicht verzichten. Zu sehr sind Unternehmen auf die milliardengroßen Communitys im Netz angewiesen, wenn sie Präsenz im digitalen Raum zeigen und ihre Erzeugnisse verkaufen wollen. Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung von Social Media dürfte die Experimentierfreudigkeit von Medien- und Marketingexpert*innen mit generativer KI sein, die 2023 eine deutliche Produktivitätssteigerung beim Content nach sich zog. Quo vadis, Social Media?

Social Hub

Immer mehr Menschen sind immer besser (aus)gebildet – weltweit. Kanäle bündeln, effektiv bespielen und schneller mit Kund*innen oder Mitarbeiter*innen kommunizieren: Aus multimedialen Plattformen entstehen Hubs, die es Social-Media-Manager*innen leichter machen, digitale Inhalte gezielt zu platzieren und dabei die gesamte Klaviatur der sich immer weiter fragmentierenden Formate wie Instagram-Story oder Youtube Shorts zu nutzen. Dazu kommt der Servicegedanke: Integriert ein Unternehmen den Social Hub als Widget auf seiner Website, können auch jene Besucher*innen die Posts verfolgen, die persönlich keine Accounts in den sozialen Medien haben.

Evergreen Content

Content muss aktuell sein, aber nicht ständig neu gepostet werden, um das Google-Ranking nach oben zu treiben – Stichwort Evergreen Content. Damit werden Inhalte wie Tutorials oder FAQs bezeichnet, die über einen sehr langen Zeitraum Relevanz für ein bestimmtes Thema besitzen und deshalb immer wieder neue User*innen auf die Website ziehen. Unternehmen, die solche Inhalte in ihrer Content-Strategie berücksichtigen, sparen wertvolle Ressourcen wie Zeit und Manpower und können sich deshalb besser auf trendorientierte Inhalte fokussieren. Diese lassen sich hervorragend mit den Evergreens kombinieren und schaffen dadurch Content, der sowohl für die Nutzer*innen als auch für die Suchmaschinen interessant ist.

Ephemeral Media

Kaum ist er da, ist der Post auch schon wieder weg – und das für immer. Was nicht unbedingt schade sein muss, Nutzer*innen jedoch dazu bewegt, über den Tag hinweg immer wieder Kanäle wie Instagram oder Facebook anzuklicken, damit ihnen keine Story entwischt. Denn spätestens nach 24 Stunden ist sie verschwunden. Dass flüchtige Inhalte so attraktiv sind, hat einen einfachen Grund: Sie funktionieren nach dem FOMO-Prinzip („fear of missing out“ – die Angst, etwas zu verpassen) und vermitteln den Eindruck, den Nutzer*innen konnte etwas entgehen. Beim Erstellen von Ephemeral Content haben Influencer*innen die Nase vorn. Sie haben die flüchtigen Botschaften als probates Instrument entdeckt, um ihre Follower an sich zu binden.

Storytelling

Ein Gegentrend zu Ephemeral Media ist das Storytelling. Diese Methode basiert auf der klassischen Heldenreise, wie sie in der Literatur oder bei Filmen und Serien zur Dramaturgie eingesetzt wird. Der Kern jeder Geschichte ist die Wandlung – was sich in einer Problemlosung widerspiegeln kann oder in der Weiterentwicklung des Helden und der Heldin. Social-Media-Plattformen nutzen dies, um Inhalte und Thematiken ausführlich und beständig weiterzufuhren und dabei Erzählstrange zu entwickeln, die das Interesse der Nutzer*innen über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Das führt zu der gewünschten hohen Verweildauer.

Mikro-Influencer*innen

Die persönliche Kaufempfehlung von Influencer*innen hat sich für viele Marken – insbesondere aus dem Mode- und Kosmetikbereich – zu einem wichtigen Vertriebsinstrument entwickelt. Doch die Sache hat zwei Haken: Mit steigender Anzahl an Followern schwindet die Glaubhaftigkeit – und die allein sagt nichts über die Reichweite aus, denn Follower lassen sich kaufen. Unternehmen haben das erkannt und arbeiten deshalb verstärkt mit Mikro-Influencer*innen (10 000 bis 100 000 Follower) oder Nano-Influencer*innen (1000 bis 10 000 Follower) zusammen. Deren Reichweite ist auf den ersten Blick zwar geringer, betrachtet man aber den Nischeneffekt bei einer bestimmten Zielgruppe und die Authentizität, kann eine Zusammenarbeit aus Vertriebssicht effektiver sein.

Augmented Reality (AR) & Virtual Reality (VR)

Mehr Kund*innennahe und -zufriedenheit verspricht der Einsatz von AR und VR. So ermöglicht Augmented Reality unter anderem eine spielerische Interaktion mit Marken und das einfache Ausprobieren von Produkten. Der Zugriff auf die Inhalte erfolgt über Smartphone oder Tablet und ist ohne Zusatzgerate möglich – das macht diese Technologie auch für Unternehmen mit geringerem Budget interessant. Während AR die reale Welt mit virtuellen Inhalten ergänzt, steht VR für eine computerbasierte Simulation der realen Welt, in der Kund*innen Produkte nach ihren Vorlieben kreieren oder verändern und dadurch zu Co-Creators werden. Wie gut das bereits funktioniert, zeigt die VR-Küche des Möbelherstellers Ikea: Nachdem der kreative Prozess abgeschlossen ist, kann die reale Kuchenzeile direkt bestellt werden.

Text: Katharina Hummert 
© Vectorfair_Shutterstock

Dieser Artikel wurde erstmals in der UNTERNEHMERIN 02/23 veröffentlicht.