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Weibliche Nachfolge im Fokus: „Ich musste verstehen, dass ich auch anders drauf sein darf und eigene Akzente setzen kann.”

Mit 22 Jahren alleinige Geschäftsführerin des Familienunternehmens: Vanessa Weber trat 2002 die Nachfolge ihres Vaters an und verfünffachte innerhalb von zehn Jahren den Umsatz der Werkzeug Weber GmbH & Co. KG auf zehn Millionen Euro.

Bereits als Kind hatte Vanessa Weber mit Werkzeugen aller Art zu tun, denn sie ist damit im elterlichen Betrieb aufgewachsen. Kurz nach ihrem 18. Geburtstag wird Vanessa Weber aus heiterem Himmel von ihrem Vater gefragt, ob sie das Familienunternehmen übernehmen möchte. Völlig spontan willigt sie ein und setzt sich schnell in einer absoluten Männerdomäne – dem Werkzeughandel – durch.

Heute leitet sie in vierter Generation den Familienbetrieb in Aschaffenburg und beschreibt die Anfänge als oftmals schwierig, denn sie musste als junge Frau um Akzeptanz kämpfen. „Bei vielen Mitarbeitern hatte ich schon als Baby auf dem Schoß gesessen“, so Weber. Auch bei den Kund*innen muss sie sich behaupten und zeigen, dass sie viel mehr als nur die Tochter vom ehemaligen Chef ist. Sie beweist von Anfang an absolute Leidenschaft für das Unternehmertum, ist morgens die Erste und abends die Letzte im Büro. Innerhalb kürzester Zeit überzeugt die Geschäftsführerin mit ihrer Kompetenz und ihrem Engagement für Kund*innen und Mitarbeiter*innen.

„Ich war meinem Vater für seine Unterstützung und sein Vertrauen immer sehr dankbar. Viel von dem, was er mich gelehrt und mir vorgelebt hat, leitet mich noch heute. Irgendwann habe ich jedoch auch verstanden, dass ich anders sein darf als er, meinen eigenen Stil entwickeln kann”, so die Unternehmerin. Sie fühlte sich nicht wohl dabei, einfach den Führungsstil ihres Vaters zu kopieren und entwickelte im Laufe der Jahre ihren eigenen. Dieser kann sich sehen lassen, denn unter ihrer Leitung ist der Betrieb von damals 9 auf heute mehr als 26 Mitarbeiter*innen gestiegen, der Umsatz hat sich mehr als verfünffacht und das Unternehmen wurde neu ausgerichtet. Weber hat flexible Arbeitszeiten eingeführt, einen festen Dresscode abgeschafft und lässt die Angestellten möglichst viel selbst entscheiden. Die Nachfolgerin setzt auf Digitalisierung, auf Investitionen in 3D-Druck, Künstliche Intelligenz, Share Economy und Robotik. Zugleich wurde in den letzten Jahren in die persönliche Betreuung der anspruchsvollen Kund*innen intensiviert. Regelmäßig gewinnt Werkzeug Weber Auszeichnungen rund um die Themen serviceorientiertes Unternehmen, gute Arbeitgeber*innen und soziales Engagement.

Vanessa Weber engagiert sich sozial und gesellschaftlich: Nachhaltigkeit ist die Herzensangelegenheit der Unternehmerin. Sie verschreibt sich nicht nur privat einem nachhaltigen Lifestyle, auch im Unternehmen werden klare Maßnahmen gesetzt: Eines ihrer ersten Vorhaben als Nachfolgerin war die ISO-Zertifizierung des Betriebs. Die Beleuchtung der Büroräume ist auf LED-Tageslicht umgestellt worden, Obst und Snacks werden von regionalen Bauern bezogen und von Wasserflaschen hat sich das Unternehmen ebenfalls verabschiedet. Vanessa Weber lässt ihren Mitarbeiter*innen Raum, sich zu entfalten. So ist ehrenamtliches Engagement durchaus erwünscht und die Mitarbeiter*innen werden für die Teilnahme an Fridays-for-Future Demonstrationen freigestellt. Die Chefin geht stets mit bestem Beispiel voran und tauscht Dienstwagen gegen E-Bike und Bahnfahrten. Außerdem engagiert sie sich bei „Plant for the Planet” in ihrer Heimatstadt Aschaffenburg. „Wir wollen ein positives Unternehmerbild vermitteln. Engagement für eine nachhaltige Zukunft ist uns wichtig, ebenso die Ausbildung und Entwicklung junger Menschen. Dieses Engagement wird belohnt – durch positive mediale Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit und Reichweite, die uns immer neue gute Bewerber beschert”, so die Geschäftsführerin.

Neben ihrer Tätigkeit für ihre Firma ist Vanessa Weber als Trainerin und Vortragsrednerin tätig und vermittelt ihr Fachwissen sowie ihren Erfahrungsschatz rund um das Thema Nachfolge, Erfolg und Führung. Sie ist Mitglied des European Advisory Board der DIHK in Brüssel, langjährige Funktionsträgerin bei den Wirtschaftsjunioren Deutschland und Member der Ethik Society.  Anfang des Jahres wurde sie durch den plötzlichen Tod ihrer Schwester über Nacht verantwortlich für den hinterbliebenen 17-jährigen Neffen.

Vanessa Weber gehört ohne Frage zu den großen Vorbildern und Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Mit ihrer Geschichte und ihrem Engagement ermutigt sie insbesondere junge Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen und sich von keinem klein reden zu lassen.

Vanessa Weber, Finalistin der internen Nachfolge, Next Generation Award 2020
Werkzeug Weber GmbH & Co. KG
, Aschaffenburg, Bayern

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Weibliche Nachfolge im Fokus

Der VdU verleiht zum dritten Mal den Next Generation Award, den VdU-Preis für die Unternehmensnachfolgerin des Jahres. Mit dem Next Generation Award möchte der VdU zwei außergewöhnliche Frauen auszeichnen, die den Schritt als familieninterne und externe Nachfolgerinnen gegangen sind und anderen Mut machen. Die Finalistinnen des diesjährigen Next Generation Awards haben allesamt Mut, visionäre Kraft und Durchhaltevermögen bewiesen und sind somit ein wichtiges Vorbild für junge Frauen – wir freuen uns darauf, Ihnen die Nachfolgerinnen in den kommenden Wochen vorzustellen.