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Unternehmerinnenreise: Vom Silicon Valley ins Napa Valley

Die Reise ins Silicon Valley ist heute schon fast ein „Muss“, um als Unternehmer mitreden zu können. Es hat sich ein regelrechter Geschäftstourismus entwickelt und nicht nur deutsche Vertreter geben sich die Klinke in die Hand. Eine Reise von deutschen Unternehmerinnen hatte es allerdings noch nicht gegeben – die VdU-Mitglieder waren sozusagen Pionierinnen, und das in einer Welt, die auch dort vor allem von Männern geprägt ist.

Nur 13 Prozent der Startups werden von einer Frau gegründet und weibliche Angel Investors sind auch dort eine Rarität. Der VdU hat viel Inspiration geschöpft, spannende Geschäftsmodelle und beeindruckende Vertreter des Silicon Valley kennengelernt. Und was mindestens genauso wichtig ist. 45 Unternehmerinnen haben privat und geschäftliche ihr Netzwerk gestärkt

Fünf Tage voller Termine – die Delegationsreise war definitiv alles andere als ein gemütlicher Ausflug. Einzig am ersten Tag haben die Teilnehmerinnen mit einem touristischen Programm die Stadt kennengelernt. Eine Radtour über die Golden Gate Bridge bis Sausalito und der Segeltörn mit Sunset Cruise zurück nach San Francisco waren definitiv Highlight der einwöchigen Reise.

Offizieller Empfang der Delegation deutscher Unternehmerinnen bei schönsten Sonnenschein und traumhaften Blick auf die Bucht im Konsulat in San Francisco. Generalkonsul Hans-Ulrich Südbeck informiert über Kaliforniens Rolle innerhalb der USA als sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Der demokratisch geführte Bundesstaat trotzt mit Selbstbewusstsein den protektionistischen und konservativen Bestrebungen der nationalen Politik und intensiviert die internationalen Beziehungen wie auch die umweltpolitischen Aktivitäten.

Janaki Kumar leitet das Design and Co-Innovation Center bei SAP Labs in Palo Alto und beschäftigt sich mit Innovationskultur und kundenorientiertem Design. Ihre Tipps für Veränderungsmanagement: Einfühlungsvermögen (Verstehe Deinen Kunden!), Zusammenarbeit (Entwickle gemeinsame Lösungen!), Annäherung über Wiederholung (Fail early, fail often!). Nicht zu unterschätzen: die kreative Umgebung für die Zusammenarbeit. Eine Checkliste für das eigene Unternehmen bietet SAP an.

Intel hat als Mikroprozessorenhersteller gewissermaßen den Grundstein für das Silicon Valley gelegt und zählt heute gleichsam zu deren Dinosauriern. Ohne die Möglichkeiten der Datenspeicherung und –verarbeitung auf den Silizium-Chips wäre die Entwicklung der Digitalwirtschaft nicht möglich gewesen. Aicha Evans, Vice President und Chefstrategin sieht in Mobiltelefonherstellern mit eigener Chipherstellung und in der chinesischen Konkurrenz die größten Herausforderer für Intel. Aicha Evans sitzt zugleich im Vorstand von SAP und treibt die Veränderung vom Halbleiterhersteller zum Daten-fokussierten Unternehmen voran. Künstliche Intelligenz und Ethik hält sie aktuell für ein Problem, ebenso die mangelnde Zahlungsbereitschaft für Datensicherheit. Die Intel-Managerin rät, digitale Fähigkeiten so früh wie möglich in Schulen zu vermitteln z.B. über code.org.

Deutschland bildet offenbar die Spitzenkräfte für das Silicon Valley aus. Richard Socher hat in Leipzig und im Saarland studiert und gilt als das Wunderkind der Digitalwirtschaft. Als Chefentwickler beschäftigt er sich vor allem mit der künstlichen Intelligenz bei Salesforce und als Gastprofessor in Stanford. Großartiger Vortrag – nun können auch die VdU-Unternehmerinnen mitreden. Die Weiterentwicklung des Machine Learning durch die Verbindung mit Logik zum Deep Learning wird z.B. im Bereich der Gesundheitswirtschaft und Medizin neue Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie schaffen. Aktuelle Herausforderung bei der Bild- und Spracherkennung ist die Datenbasis. Die Trainingsdaten sind aktuell noch nicht gut genug, um Emotionen zu programmieren. Aber sicher ist: Künstliche Intelligenz wird eine noch größere Wirkung auf die Welt haben als das Internet.

Special Guest auf der Fahrt nach Mountain View war Kimberley Emerson, die mit ihrem Mann, dem ehemaligen US-Botschafter, bis Anfang 2017 in Berlin lebte. Sie berichtete über ihr internationales und nationales Engagement als Vorstand von Human Rights Watch – und ihre ganz persönliche Sicht auf die politischen Entwicklungen in den USA. Was für eine Powerfrau – wir haben sie bei Google in unsere Mitte genommen!

Google hat mit Unterstützung von Mitarbeiterinnen aus Hamburg drei Gesprächsrunden auf dem Googleplex organisiert. Der Principal Analytical Lead Manuel Arens hat über den Campus geführt und seine Erfahrungen als Deutscher in dem multinationalen Unternehmen geteilt. Brandbuilding Evangelist Aprajita Jain rät den Unternehmerinnen im Social Media lieber schneller als perfekt zu sein. Interaktive Clips und bewegte Bilder sind der Trend im Online-Marketing. Jacquelline Fuller leitet die philantrophische Organisation Google.org, mit der jährlich mehr als 50 Millionen Dollar für technische Unterstützung von Sozial- und Bildungsprojekten gespendet werden. Dem VdU ist sie bereits durch das Women20-Engagement bekannt, bei der Google die Initiative E-Skills for Girls“ unterstützte.

Die d.school auf dem Stanford University Campus wird insbesondere von dem Hasso Plattner Institut unterstützt. Hier haben die VdU-Unternehmerinnen in einem praktischen Workshop mit Frederik Pferdt, Head of Innovation & Creativity Programs bei Google, und Leticia Britos Cavagnaro, Co-Director of the University Innovation Fellows, einem Programm des Hasso Plattner Institute of Design, Kreativitätstechniken auf ihre persönlichen und unternehmenseigenen Projekte angewandt. Ganz im Sinne des weithin sichtbaren Spruchs der d.school „The only way to do it is to do it.“ Das Silicon Valley handelt nach der Maxime, dass der eigentliche Fehler die Untätigkeit ist. Niederlagen werden durch Erfolge kompensiert, Probleme sind Chancen: „Embrace failure!“

Das Startup Augmania ist dem VdU in besonderer Weise verbunden. Die ägyptische Gründerin und Digitalexpertin Rania Reda kennt den VdU aus dem MENA-Projekt und arbeitet bereits seit einiger Zeit mit der Vorsitzenden der MINT-Kommission, Sophia Hatzelmann, zusammen. Gemeinsam treiben sie jetzt in San Francisco mit Augmania die computergestützte Erweiterung von Bildern für die Wirtschaft voran. Die Teilnehmerinnen der Delegationsreise waren beeindruckt von den Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie. Demnächst wird Augmania auch in Deutschland eine Dependance aufbauen.

Ein kleiner Kreis von Unternehmerinnen erkundete im Anschluss das Napa Valley und tauchte in die Welt des Weins und der Kulinarik ein. Neben Weinproben mit Nachwuchswinzerinnen und einem Kochkurs im Culinary Institute of America hat vor allem die weite, unberührte Küstenlandschaft mit traumhaften Spaziergängen für bleibende Erinnerungen und einen entspannten Abschluss der Delegationsreise in Kalifornien gesorgt.