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Unternehmerinnen diskutierten mit Wirtschaftsminister Harry Glawe

Rostock. Mit Spannung hatten 15 Frauen des Landesverbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) in MV das Treffen mit Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erwartet, der sich am Dienstagabend im Rostocker Hausbaumhaus über zwei Stunden ihren Fragen stellte.

Insbesondere die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft beschäftigten die Unternehmerinnen. Unabhängig von den eigenen Betätigungsfeldern im Pflege- und Gesundheitsbereich, im Handwerk, Handel, Tourismus oder der Automatisierungstechnik.

„Wie sehr regiert uns die Angst?“

„Was können wir als Tourismusland den Gästen als Auflagen zumuten?“

„Wie wird es weitergehen, wann kommt der Impfstoff?“

„Wie sehr können wir die Wirtschaft noch belasten?“

Minister Glawe erläuterte die gegenwärtige Lage und warb für Verständnis, lieber etwas vorsichtiger als zu leichtsinnig die Gesundheitsrisiken zu bewerten. Aber natürlich hätte das Land auch die 130.000 Angestellten im Hotel- und Gaststättengewerbe im Blick, neben den Mitarbeitern im Gesundheitswesen die größte Beschäftigtengruppe. Glawe bedauerte, dass die Arbeitslosigkeit, die ohne Corona bei 5,8 Prozent lag, jetzt 7,6 Prozent im Land beträgt. Corona-bedingte Steuererhöhungen schloss Glawe für das nächste Jahr aus. Derzeit würden die finanziellen Überbrückungshilfen für Unternehmen fortgeschrieben.

Mehrere Unternehmerinnen äußerten ihr Unverständnis über den Vorschlag der Bundes-SPD, Homeoffice gesetzlich festschreiben zu wollen. „Wir brauchen kein Reinregieren in unsere Unternehmen. Homeoffice kann jeder Unternehmer selbst festlegen. Wer heute gutes Personal haben will, schafft auch gute Bedingungen“, erklärte Katharina Clausohm, Managing Director der Clausohm-Software GmbH aus Neverin bei Neubrandenburg. Die Unternehmerin, erst im Frühjahr zur „Frau des Jahres MV“ gekürt, leitet seit 30 Jahren mit Ehemann Michael das Software-Unternehmen, das heute 75 Mitarbeiter beschäftigt. Inzwischen sind auch Sohn Heiner und Tochter Carina mit eingestiegen.

Rege diskutiert wurde auch die Personalsituation im Pflege- und Gesundheitsbereich. Die Rostocker Unternehmerin Ieva Nagel schilderte, wie gut ausgebildete Pflegekräfte aus der Ukraine, die in Deutschland arbeiten wollen, an der Sprachbarriere scheitern. „Das müssen wir uns genauer anschauen“, versprach Minister Glawe. Mecklenburg-Vorpommern bemühe sich bereits in Vietnam um Pflegekräfte. Vielleicht sei ein ähnliches Projekt denkbar. Heiß diskutiert wurde auch die Deckelung der Pflegekosten, die Bundesminister Jens Spahn (CDU) als Vorschlag für die Pflegereform eingebracht hatte. „Der große Wurf“ sei das wohl noch nicht, befand Iris Tschischke, Chefin von zwei Pflegeeinrichtungen in Rostock, die Minister Glawe eigene Überlegungen zu den Pflegekosten vorstellte.

Als Vorsitzende des Landesverbandes des VdU informierte Iris Tschischke den Wirtschaftsminister auch über die Vorbereitungen zur Jahresversammlung des Bundesverbandes VdU, die 2020 wegen der Corona-Krise in Rostock ausfiel. Jetzt sollen im Jahr 2021 rund 250 Unternehmerinnen aus ganz Deutschland nach Rostock kommen. Eine großartige Werbung für Mecklenburg-Vorpommern, meinte Tschischke.