| Corona | Erfahrungsberichte Zurück

Resignieren oder gar aufgeben gilt nicht!

Die Logistikbranche erfährt in den letzten Wochen – bedingt durch die Corona-Krise – eine noch nie dagewesene Aufmerksamkeit. Auf einmal gibt es praktisch über Nacht eingeführte, vorübergehende Gesetzesänderungen, hervorgerufen durch die Herausforderungen, die die Pandemie mit sich bringt.

Lockerungen der EU-Sozialvorschriften, Aufhebung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots, automatische Führerscheinverlängerung der Berufskraftfahrer auf 1 Jahr ohne Modulschulung oder ärztliche Untersuchung… Die Lieferkette muss aufrecht gehalten werden, die Warenströme dürfen trotz der Pandemie nicht gestoppt werden.

Abhängig von dem Kundenstamm kommt es sogar in der Logistikbranche zu geringerer Auslastung, Laderaum steht zur Verfügung, Tag- oder Nachtlinien werden temporär eingestellt. Auch wenn die Welle des wirtschaftlichen Stillstandes erst zeitlich verzögert in der Logistik spürbar ist, so wird immer deutlicher, dass durch die globalen Abhängigkeiten Warenströme zum Erliegen kommen können. Bei ausbleibenden Importen (beispielsweise aus China) kann das Produkt nicht auf den weiteren Transportweg gebracht werden, auch wenn es nur die Verpackung ist, die fehlt.

Mir als Unternehmerin ist es wichtig, meine knapp 40-köpfige Mannschaft motiviert zu halten und vor allem ihnen Ängste zu nehmen. Daher sende ich an all meine Mitarbeiter*innen, egal ob meinen Kräften im Büro sowie meinen Kraftfahrern, regelmäßige Videobotschaften und informiere über den aktuellen Stand in unserer Firma, Veränderungen, Neuheiten und vor allem die Botschaft, dass Kurzarbeit für uns keine Option ist. Ich kenne jede einzelne Familiengeschichte meiner Mitarbeiter*innen und drücke in meinen Botschaften den Dank und die Wertschätzung für jede einzelne Tätigkeit aus und betone, wie wichtig mir der Zusammenhalt in unserem Speditionsbetrieb ist. Leider stehen auch bei uns manche Touren temporär still. Der Umsatzverlust, der dadurch entsteht, kann zu einem späteren Zeitpunkt nicht kompensiert werden. Daher bitte ich meine Mitarbeiter*innen um Verständnis, wenn wir in diesem Fall Urlaub anweisen. In unserer Datei wird dieser als „Covid-19 Urlaub“ festgehalten und falls am Jahresende noch ein paar Tage fehlen sollten, um an Weihnachten in den Urlaub gehen zu können, dann werde ich den sog. „Covid-19 Urlaub“ natürlich entsprechend variabel kürzen.

Die momentane Zeit ist zweifelsohne sehr herausfordernd, lässt aber auch die Möglichkeit zu, neue Ideen zu entwickeln und Geschäftsfelder zu erschließen. Durch die großartige Erfahrung und Vorzüge einer Videokonferenz beispielsweise, die ich durch den VdU kennenlernen durfte, haben wir uns regelmäßige virtuelle Gruppenmeetings mit unserem Fahrerteam vorgenommen. Wie sich sicherlich jeder vorstellen kann, sind unsere „Könige der Straßen“ viel unterwegs, wodurch ein persönliches Treffen oftmals nur auf Firmenevents begrenzt ist. Dies möchten wir verbessern und einen regelmäßigeren Face-to-Face Austausch einführen, um voneinander zu hören, zu lernen und auch den Arbeitsprozess gemeinsam zu optimieren. Ebenso sind wir bereits in finalen Verhandlungen, um zukünftig unsere Flotte auch in der Lebensmittellogistik zu platzieren.

Ich wäre nicht Unternehmerin – noch dazu 2019 mit dem VdU Next Generation Award 2019 ausgezeichnet – wenn ich nicht in Zeiten wie diesen meinen Kampfgeist, meine unternehmerische Denke und meine Sozialkompetenz auf Hochtouren fahren lassen würde. Resignieren oder gar aufgeben gilt nicht! Auch wenn sich die Corona-Pandemie und jeder Tag, an dem einer unserer LKW´s steht, natürlich negativ auf das Betriebsergebnis auswirkt, so bleibe ich dennoch optimistisch und weiter risikofreudig. Wenn wir wieder Normalität haben und das Geschäftsjahr soweit „glimpflich“ ausging, werde ich überlegen, meine Mitarbeiter*innen mit einem Hotelgutschein zu überraschen. Dadurch würde ich sicherlich nicht nur meinen Mitarbeiter*innen und deren Familien ein glückliches, unbeschwertes Wochenende ermöglichen, sondern gleichzeitig die Wirtschaft in der Region unterstützen.

Text: Katrin Eissler, Spedition Neuner GmbH & Co. KG