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Psychologie-Schulung für den Führungsalltag von Unternehmerinnen

Jeder Chef wünscht sich leistungsorientierte Mitarbeiter, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Doch wie lässt sich das im Alltag fördern? Wie die Motivation erhöhen? Viel psychologisches Wissen ist gefragt, um ein gutes Betriebsklima zu schaffen und auch Konfliktsituationen zu meistern.

Am Dienstagabend trafen sich rund ein Dutzend Frauen des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) im Rostocker Hausbaumhaus, um sich Experten-Rat für die „Psychologie im Führungsalltag“ zu holen. Als Coach hatten sie sich Hubert Seidel, Diplompsychologe und Geschäftsführer der Rostocker Coachingagentur, eingeladen. Er stellte ein Verhaltensmodell vor, das auf Forschungen in den USA zurückgeht. Danach gibt es vier Grundtypen des menschlichen Verhaltens: Der dominante D-Typ (extrovertiert und aufgabenorientiert), der initiative I-Typ (extrovertiert und menschenorientiert), der gewissenhafte G-Typ (introvertiert und aufgabenorientiert), der stetige S-Typ (introvertiert und menschenorientiert).

Die Frauen füllten für einen Persönlichkeitstest einen umfangreichen Fragenkatalog aus. Für Hubert Seidel kam das Ergebnis nicht überraschend. 80 Prozent der Unternehmerinnen waren dem D-Typ zuzurechnen und damit Personen, die durchsetzungsfähig, risikobereit, entscheidungsfreudig, konsequent und direkt sind. „Sie treten meist etwas autoritär auf und übernehmen gern das Kommando. Das ist an der Spitze eines Unternehmens auch nicht anders zu erwarten“, meinte Seidel. Dann besprach er ausführlich die Konsequenzen im Umgang mit den Mitarbeitern der verschiedenen Typen. Wie manche Menschen straffe Strukturen und Orientierung brauchen, ist es für andere günstiger, wenn sie mehr Freiraum zur Verwirklichung erhalten.

Die Unternehmerinnen tauschten sich intensiv über ihre Erfahrungen in der Praxis aus. „Wechselnde Aufgaben und Zeitdruck kann nicht jeder gleich gut verkraften“, meinte Iris Tschischke, Geschäftsführerin zweier Rostocker Pflegeheime der „Südhus“ GmbH. Die Führungscrew ihres Unternehmens sei bestrebt, jeden der 110 Mitarbeiter möglichst so einzusetzen, dass jeder gefordert und gefördert wird.
Eine Chefin aus dem Dienstleistungsbereich erklärte: „Die Probleme und Anliegen meiner 14 Mitarbeiter kosten viel Zeit und Kraft. Dabei bleibt oft meine Arbeit liegen. Manchmal verschließe ich dann die Tür hinter mir.“ Der Umgang mit dem Personal wurde heiß diskutiert, auch weil die Arbeitskräftesituation schwierig ist, kaum neue Fachkräfte zur Verfügung stehen.

„Ich gehe hochmotiviert aus dieser Schulung“, meinte Christiane Ehlert-Pohl, Inhaberin eines Rostocker Fotostudios. Der Persönlichkeitstest habe sie überrascht. „Ich hätte mich nicht so dominant eingeschätzt. Ich weiß nun, was zu tun ist, um ein besserer Chef zu werden.“
Iris Tschischke, Vorsitzende des Landesverbandes des VdU, freute sich über den Zuspruch zur Veranstaltung. Unternehmerinnen, die ebenfalls Lust auf den Austausch unter Gleichgesinnten haben, sind eingeladen, einfach mal vorbeizuschauen.

Text: Bianca Lüth