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Podiumsdiskussion: Re-Start nach Corona?

“Re-Start nach Corona? Das deutsche Bildungssystem unter Hochdruck“ unter diesem Titel begrüßte am 28. September 2020 Helga Krumbeck, die Kommissarische Landesvorsitzende des VdU Landesverbands Rheinland, circa 40 Unternehmerinnen und sonstige Interessierte im Stadttheater in Ratingen.

Auf dem Podium diskutierten Vera Goncalves Cleff (Geschäftsführerin der Cleff Steuerberatung GmbH), Michaela Elek (Leiterin Einkauf IT & Digitalisierung der Qiagen GmbH), Rita Röbel (Leiterin der Gemeinschaft Hauptschule in Hürth-Kendenich) mit der Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Yvonne Gebauer, unter der Moderation der Diplom-Journalistin, Sabine Ziemke, über die Überwindung der Corona Folgen im Bildungssystem und eine bessere Vorbereitung für künftige Krisenfälle.

In ihrem Impulsvortrag ging die Ministerin auf die Herausforderungen des angepassten Schulbetriebes nach dem Lockdown ein, in dem es so viel Präsenzunterricht wie möglich geben solle. Man habe, was Lernfortschritte betrifft, im Lockdown viele Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen “verloren“. Präsenzunterricht sei auch wichtig für die sozialen Kontakte der Schüler*innen. Schulen seien nicht die Corona Hotspots, sondern Corona werde in die Schulen gebracht. Das Prinzip der Rückverfolgbarkeit sei von den Gesundheitsämtern noch nicht im vereinbarten Maß umgesetzt. Die Ministerin verwies auch auf die digitalen Angebote, die ihr Ministerium in den letzten Monaten zum Lernen auf Distanz entwickelt hat und forderte die Teilnehmer*innen auf, sich auf der Internetseite des Ministeriums selbst ein Bild zu verschaffen.

Der Vortrag der Ministerin und die anschließende Diskussion zeigten, dass zahlreiche Defizite/Themen aus der Zeit vor Corona und dem Amtsantritt der Ministerin (z.B. unzureichender Zugang zu leistungsfähigen Netzen, geringe Ausstattung mit digitalen Endgeräten, mangelnder häuslicher WLAN Zugang, Fehlen von Lehrkräften insbesondere in Grundschulen) erheblich zu den Problemen beim digitalen Lernen beigetragen haben. Frau Gebauer wies darauf hin, dass Digitalisierung keine Bringschuld des Landes sei. Teilweise hätten die Kabel bis zur Grundstücksgrenze der Schulen gelegen. Die Corona-Schutzverordnung habe auf den Lehrauftrag keinen Einfluss.

Michaela Elek verglich in ihren Redebeiträgen den Umgang ihres Unternehmens mit dem Lockdown mit ihren Erfahrungen als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder. Neben der besseren digitalen Ausstattung von Unternehmen, habe auch die andere Herangehensweise von Unternehmen dazu beigetragen, dass die Umstellung auf Homeoffice in den Unternehmen besser gelungen sei. So seien für Unternehmen gängige Instrumente wie Projektierung in Schulen unbekannt. Das Thema Digitalisierung sei auch nicht in der IT Abteilung aufgehängt, sondern beim Veränderungsmanagement. Eine rasche und erfolgreiche Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen sei zudem für Unternehmen überlebenswichtig. Ihre Forderung nach einer grundsätzlichen Diskussion über die Zielsetzung für Schulen (was wollen wir erreichen) als gesamtgesellschaftliche Aufgabe fand großen Zuspruch bei den Unternehmerinnen. Dem pflichtete auch Rita Röbel bei, die den Anwesenden anschaulich die Heraus- und Anforderungen an Schulleiter*innen in der Corona Krise schilderte und was sich mit Engagement bewirken lässt. Sie beklagte den Mangel an IT Support für Schulen, bürokratische Hemmnisse und die überbordenden Anforderungen an das was Schule alles leisten soll durch die Vorgängerregierung. Vera Goncalves Cleff berichtete was ihr Lockdown im Home-Office, einschließlich Aufbau einer IT Infrastruktur unter Beachtung von Datenschutzvorgaben und Homeschooling, als Unternehmerin und alleinerziehender Mutter abverlangten und wie sie sich von der Schule allein gelassen gefühlt habe.

So zeigte sich in der Diskussion, dass die positiven und negativen Erfahrungen von Eltern mit dem Corona Krisenmanagement ihrer Schulen wesentlich vom Engagement der Lehrer*innen und der lenkenden Führung durch die jeweiligen Schulleiter*innen bestimmt war. Die Unternehmerinnen im Auditorium plädierten für ein System von Leistungsanreizen in Schulen, um das Engagement von Schulleitern*innen und Lehrern*innen zu belohnen und zu fördern und sprachen sich für einen Abbau bürokratischer Vorgaben aus. Frau Gebauer wies darauf hin, wie grundlegend diese Forderung sei. Das derzeitige System biete keine Belohnungsstruktur. Fortbildungsveranstaltungen seien leider nicht verpflichtend, teilweise verzichteten Lehrer*innen darauf aber auch, um Unterrichtsausfälle zu vermeiden. Wenn das Land und der Bund Fördermittel zur Verfügung stellten, handele es sich um Steuergelder und hier müsse sichergestellt werden, dass diese zweckgerecht verwendet werden. Die Ministerin wies abschließend auch noch einmal darauf hin, dass ein zweiter Lockdown mit allen Mitteln verhindert werden müsste, dieser wäre nicht nur für die Schulen, sondern auch für die Wirtschaft nicht zu verkraften.