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Homeoffice – differenziert betrachtet

IT-Expertin, langjähriges VdU-Mitglied und Landesverbandsvorsitzende des Landesverbands Ruhrgebiet Dr. Christine Trzaska: „Homeoffice ist für mich ein alter Hut – dachte ich. Homeoffice in Corona-Zeiten brachte viele neue Erkenntnisse und auch eine Reihe von Fragen.“

Vor mehr 30 Jahren, als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich ausschließlich aus dem Homeoffice gearbeitet. Als mein Unternehmen wuchs und die ersten Mitarbeiter*innen kamen, stand der Umzug in ein externes Büro an. Meinen heimischen Schreibtisch in einem abgeschlossenen Raum habe ich in den ganzen Jahren nie aufgegeben. Im Homeoffice wurden und werden viele Konzepte erarbeitet, komplexe Texte geschrieben – alles wofür im Büro die Ruhe fehlt.

Als wir wegen Corona alle ins Homeoffice gegangen sind, war mir klar, dass ich den heimischen Arbeitsplatz technisch besser ausstatten musste, um auch im Homeoffice genauso produktiv zu arbeiten wie im Büro. Die beiden 19“-Zoll Monitore, an denen ich Konzepte entwickelt habe, waren für das Tagesgeschäft zu klein, sodass ich aus der Firma zwei 24“-Monitore mitgenommen habe. Es wurde auf dem Schreibtisch etwas eng, der Komfort durch die größeren Monitore wiegt die Enge auf. Der Rest des benötigten Equipments war transportabel – Laptop und Telefon samt Headset.

Ich hatte für die Arbeit im Homeoffice ideale Bedingungen: Ein separates Arbeitszimmer, fast das gleiche Equipment wie im Büro und Zugriff auf alle Daten – als IT-Unternehmen arbeiten wir kaum noch mit Papier. Und trotzdem hatte ich am Ende des Tages das Gefühl, nicht so produktiv gewesen zu sein, wie im Büro. Anfangs dachte ich, es ist die - für das Tagesgeschäft - ungewohnte Umgebung im Homeoffice. Doch auch nach vier Wochen Homeoffice ist dieses Gefühl geblieben.

Ich bin froh, dass wir technisch so gut aufgestellt sind, dass wir von jedem Ort der Welt mit Internetanschluss arbeiten können. Gleichzeitig beschäftigt mich die Frage nach den Ursachen. Liegt es an dem kleineren Schreibtisch, dem nicht ganz so ergonomischen Bürostuhl, den nicht ganz so hochwertigen Monitoren wie im Büro? Ich kann es nicht sagen.

Ich habe gelernt, dass ich sowohl das Arbeiten im Homeoffice als auch im Büro liebe. Jeder dieser Arbeitsorte hat seine eigenen Stärken. Die Möglichkeiten, sich für ruhiges, ungestörtes Arbeiten, bei geplanten Abwesenheiten aus dem Büro (Handwerker) oder auch bei unvorhergesehenen Situationen (krankes Kind) aus dem Homeoffice zu arbeiten, helfen allen, weil die Arbeit nicht liegen bleibt. Das Büro ist für mich zum „Dorfbrunnen“ des Unternehmens geworden. Hier trifft man sich, um sich persönlich auszutauschen.

Ich wünsche mir für die „neue Normalität“, dass Mitarbeiter*innen und Unternehmen das Beste aus beiden Welten nutzen.