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Handwerk als Chance für ein erfolgreiches und unternehmerisches Berufsleben

„Lehre oder Studium – quo vadis Handwerk?“: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann und Obermeisterin Sandra Wolf sprachen vor vollem Saal zu Gast beim VdU Region Ostwürttemberg in Murrhardt über Ausbildungsmöglichkeiten und -chancen und versuchten zu analysieren, warum das Image des Handwerks so ins Hintertreffen geraten ist.

Die Podiumsdiskussion im Schumm-Forum widmete sich dem Problem des Fachkräftemangels vor allem im Handwerk. Schulleiter*innen, Lehrer*innen, Eltern und Unternehmer*innen aus der Region waren gekommen, um sich über die CDU-Sicht auf die Thematik zu informieren sowie ihre Anliegen und Fragen anzubringen.

„In Deutschland gibt es die klare Tendenz, dass der Mensch erst beim Abitur beginnt“ – mit diesen Worten umriss Susanne Eisenmann das Problem zu Beginn ihrer Ausführungen. Sie wolle Eltern, die „das Beste für ihre Kinder anstreben“, nicht kritisieren, sondern in den Köpfen verankern, dass akademische und berufliche Ausbildungen gleichwertig sind. Nicht jeder der rund 9000 Studiengänge sei sinnvoll und biete berufliche Chancen.

Das schlechte Image von Handwerksberufen machte die Ministerin anhand einiger plausibler Beispiele deutlich. So beklagte sie etwa, dass etwa eine Dating-Agentur mit „Akademiker mit Niveau“ werbe, als gäbe es keine Handwerker*innen mit Niveau.

Sandra Wolf, seit 2013 Obermeisterin der Mechaniker-Innung im Kreis und bundesweit die einzige Frau in diesem Amt, ergänzte, dass beispielsweise eine Daily Soap nicht ohne Ärzt*innen und Anwält*innen auskomme und Handwerksberufe hier deutlich unterrepräsentiert seien. Gerade das Handwerk eröffne große Karrierechancen und die Möglichkeiten der Selbständigkeit.

Beklagt wurde außerdem das Anspruchsdenken vieler Eltern gegenüber Bildungseinrichtungen, das Abgeben elterlicher Verantwortung an Lehrer*innen und Erzieher*innen, und man war sich insofern einig, dass die Schule „nicht Reparaturbetrieb der Gesellschaft sein“ kann, es wohl aber in vielen Fällen schon sei. Genauso wenig dürfe dies auch die Handwerksfirma sein, bekräftigte Susanne Eisenmann.

Einige Maßnahmen der beruflichen Orientierung wurden vorgestellt und der Digitalisierungsgrad im Handwerk wurde erläutert. Allerdings wurde auch beklagt, dass die Jugend, wenn nicht an die Universitäten, dann aber in die Großindustrie strebe. Niemand wolle sich mehr die Hände schmutzig machen. „Wir kämpfen ständig gegen dieses dreckige Image an“, bemerkte Sandra Wolf mit Blick auf das Handwerk, das sich enorm verändert habe und heute in allen Branchen modernste Verfahren und Techniken nutze. Da helfe es nur, zu informieren, Praktika anzubieten, dranzubleiben.

Eine offene Podiumsdiskussion im Anschluss mit Fragen führten zu einem regen und informativen Austausch.

Text: Sonja Schweizer