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Erfolgsgeschichten

Bassant Helmi ist Leiterin des Vereins Global Project Partners, der sich unter anderem dafür einsetzt, Unternehmerinnen in der MENA-Region zu stärken. Im Interview mit Elizabeth Lehnich, Mitglied im Bundesvorstand für Internationales im VdU, spricht sie über neue Projekte, die gemeinsam mit dem VdU vorangetrieben werden.

Liebe Bassant, seit sechs Jahren arbeitet Global Project Partners (GPP) gemeinsam mit dem VdU daran, frauengeführte Unternehmen in der MENA-Region zu stärken (Middle East and North Africa). Woher stammt deine Affinität zum weiblichen Unternehmertum in dieser Region?

Ich stamme aus Ägypten, bin dort aufgewachsen. Bevor ich im Jahr 2000 nach Deutschland kam, um das Verbindungsbüro der AHK Ägypten in Berlin aufzubauen, übrigens im Haus der Deutschen Wirtschaft, in dem auch der VdU seine Geschäftsstelle hatte, habe ich im Ägypten der Neunzigerjahre die ersten Versuche von Unternehmerinnen erlebt, sich selbst zu organisieren. Ich habe die Gründung von Unternehmerinnenverbänden unterstützt, um diesen Prozess zu verstärken. Unternehmerinnen zu stärken und sie zu vernetzen ist mehr als nur Arbeit oder Projekt für mich: Es ist eine Leidenschaft.

Mit dem Projekt „Women in Business“ baut GPP gemeinsam mit dem VdU ein stabiles, nachhaltiges Netzwerk aus Unternehmerinnenverbänden in Ägypten, Algerien, dem Libanon und Tunesien auf und vernetzt es mit Deutschland. Wie funktioniert das? 

Das Netzwerk WiB ist eine Erfolgsgeschichte der Kooperation zwischen dem VdU und vier Unternehmerinnenverbänden in der MENA-Region. Bereits mehr als 2000 Unternehmerinnen sind dort Teil des Netzwerks. Wir haben in den letzten Jahren viele Offline und Onlineformate entwickelt. Dabei haben die VdU-Mitglieder als Trainerinnen, Rednerinnen und Moderatorinnen agiert. Die Konferenz der Businesswomen of Egypt 21, die jährlich in Ägypten stattfindet, ist zum größten Netzwerktreffen für unsere Partnerverbände geworden. 

Die Weltwirtschaft war in den vergangenen Jahren von Krisen geprägt. Wie wichtig ist die Arbeit, die Women in Business für Unternehmerinnen aus der MENA-Region leistet, und inwiefern haben die Verbände und ihre Mitglieder bisher von dem Projekt profitiert?

Wir haben in den letzten Jahren nicht nur die Verbandsstrukturen durch die VdU-Expertise gestärkt, sondern haben auch gemeinsam während der Pandemie mehrere digitale Formate entwickelt, die die Unternehmerinnen in einer schwierigen Zeit unterstützen. Das digitale B2B-Format ist ein großer Erfolg. Die WiB-Konferenz mit mehreren VdU-Mitgliedern als Moderatorinnen, Rednerinnen oder Trainerinnen mit mehr als 350 Teilnehmerinnen war eine tolle Plattform, um die Unternehmerinnen untereinander zu vernetzen. „Senior WiB“ ist ein Programm, das MINT-Akademikerinnen, die älter als 40 sind, dabei unterstützt, selbst ein Unternehmen zu gründen. „Digital WiB“ ist ein weiteres Programm, das Unternehmerinnen hilft, die Prozesse in ihren Betrieben zu digitalisieren. Mit unseren Aktivitäten erreichen wir jährlich mehr als 1000 Unternehmerinnen in der MENA-Region. 

In Deutschland kämpfen wir seit Jahrzehnten um eine stärkere Repräsentanz von Frauen in Aufsichtsräten und im Topmanagement. Wie sieht es diesbezüglich in der MENA-Region aus? 

Unser Partner im Libanon, LLWB (Lebanese League for Women in Business), war der erste Unternehmerinnenverband in der MENA-Region, der eine Initiative für Women on Boards gestartet hat: „30 percent by 2030“. Der ägyptische Verband BWE21 hat mit der Unterstützung der Women-on-Board Aktivitäten des Projekts neun Unternehmerinnen in Aufsichtsratspositionen vermittelt. Die französische Ausbildungsorganisation „Centre National de Formation Professionnelle Continue“ hat im Rahmen des EU-Projekts „Ebsomed“ und mit Unterstützung des VdU in Algerien und Tunesien eine gemeinsame Strategie für Frauen in Aufsichtsräten entwickelt.

Bei all den gemeinsamen Projekten: Was war dein persönliches Herzensprojekt im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem VdU?

Die Gründung des Netzwerks WiB war ein Meilenstein, aber die Freundschaften, die zwischen den VdU-Mitgliedern und den Unternehmerinnen in der MENA-Region im Laufe der Jahre entstanden sind, das ist für mich das Herz der Zusammenarbeit. Die Sichtbarkeit, die die Unternehmerinnen aus der MENA-Region im Rahmen der Projektaktivitäten in ihren Ländern, aber auch in Deutschland erhalten haben, war natürlich ein besonderer Erfolg, auf den ich auch stolz bin. Wir haben gezeigt, was für eine Wirtschaftsmacht diese Unternehmerinnen repräsentieren. Sie sind in allen Wirtschaftssektoren vertreten, vom Bau über IT und Biotechnologie bis zu Textilien, Design und Tourismus.

Nach zwei erfolgreichen Phasen läuft die Finanzierung des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützten Projekts Women in Business im März 2022 aus. Gibt es die Aussicht auf eine Verlängerung des Projekts und falls ja, wie könnte die zukünftige Kooperation aussehen?

Wir haben gemeinsam ein nachhaltiges Netzwerk aufgebaut. Die Expertise, die WiB über die Jahre entwickelt hat, wird weitergeführt. Wir haben auch noch viele Ideen. Es würde uns sehr freuen, gemeinsam mit dem VdU die Erweiterung des Netzwerks um weitere Länder in Afrika wie den Senegal und die Elfenbeinküste zu erreichen. Mehrere unserer Formate werden bereits eigenständig und ohne Finanzierung durch unsere Partner durchgeführt. Ein Beispiel ist die Veranstaltungsreihe „she made IT“, die junge MINT-Studentinnen inspiriert, den Weg des Unternehmertums zu wagen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir dieses Jahr „she made IT“ digital mit Partnern in vier weiteren afrikanischen Ländern – Elfenbeinküste, Ghana, Ruanda und Senegal – durchgeführt haben. Ich bin sicher, wir können noch weitere Aktivitäten nachhaltig verankern. 

And last but not least: Welchen Tipp würdest du Unternehmerinnen aus Deutschland geben, die ihr Netzwerk international erweitern und ihr Geschäft in der MENA-Region ausbauen möchten?

Der persönliche Kontakt ist ein Schlüssel für ein erfolgreiches Geschäft mit den KMU in der Region. Eine Unternehmerin, die Interesse daran hat, kann das WiB-Portal verwenden, um mit mehr als 500 Unternehmerinnen in der MENA-Region aus allen möglichen Wirtschaftssektoren in Kontakt zu treten.

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ZUR PERSON

BASSANT HELMI ist eine Deutschägypterin, die in Kairo die deutsche Schule besucht hat. Sie hat ihren akademischen Abschluss an der American University in Cairo und an der London School of Economics and Political Science erworben. Seit 2000 lebt und arbeitet sie in Berlin und leitet den Verein Global Project Partners und die Netzwerke Women in Business und Digital Arabia Network. Global Project Partners ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der im Jahr 2001 gegründet wurde und zahlreiche Projekte in Entwicklungsländern durchführt. Berufliche Bildung, Social Innovation und die Stärkung von Unternehmerinnen und ihren Netzwerken gehören zu den Themenschwerpunkten des Vereins.

Interview: Elizabeth Lehnich
Fotos: Pedro Becerra 


Dieses Interview wurde erstmals in der UNTERNEHMERIN (2021/2) veröffentlicht.