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Einzeln spitze, zusammen unschlagbar

Nicole Gargitter und Dr. Clara Kronberger (von links)

Jobsharing in leitenden Positionen ist ein wirksames Mittel gegen den Karriereknick aufgrund familiärer Verpflichtungen. Wie gut das Führen im Tandem funktioniert, beweisen Nicole Gargitter und Dr. Clara Kronberger: Seit mehr als zehn Jahren gehen sie ihren Arbeitsweg zusammen – aktuell beide in Teilzeit.

Eine Führungsposition für zwei: Das geht hervorragend, wenn sich die zwei als Team verstehen. „Topsharing“ nennen wir das bei den Stadtwerken München. Führen im Tandem heißt für uns, beides ist möglich: eine Führungsposition engagiert und erfolgreich auszufüllen und gleichzeitig ausreichend Zeit für das Privatleben, die Familie zu haben. Teilzeit muss also nicht gleichbedeutend mit einem Karriereknick oder gar dem Karriereende sein, selbst auf der Leitungsebene nicht. Jobsharing, auch in Spitzenpositionen, ruft deshalb nach Nachahmer*innen.

Mit unserer Bewerbung für eine Leitungsposition im Jobsharing haben wir die SWM-Geschäftsführung 2016 durchaus überrascht, aber offensichtlich auch überzeugt. Unser Arbeitgeber gab uns die Möglichkeit zum Topsharing, und wir haben bewiesen, dass dies in den verschiedensten Arbeitsbereichen funktionieren kann. Wir haben im Unternehmen zunächst einen Technikbereich mit 100 Männern und Frauen geleitet, danach in der Stabstelle die Konzernstrategie weiterentwickelt und stehen nun an der Spitze der Münchner Hallen- und Sommerbäder mit 220 Mitarbeiter*innen an 15 Standorten.

Jobsharing heißt für uns nicht, dass wir jedes Thema und jede Aufgabe gemeinsam bearbeiten. Vielmehr geben unsere beruflichen Hintergründe Elektrotechnik und Betriebswirtschaft in etwa vor, wie wir die Aufgaben aufteilen. Darüber hinaus berücksichtigen wir unsere Neigungen bei der Auswahl der jeweiligen Schwerpunkte. Wir vertrauen auf unsere Fähigkeiten und vor allem aufeinander. Dies ist im Jobsharing unverzichtbar, denn eine Führungsdoppelspitze bedeutet auch viel Abstimmungsaufwand. Führungsverantwortung zu teilen heißt laufend in einem offenen, ehrlichen Austausch zu bleiben. Deshalb pflegen wir unsere Tandembeziehung ganz bewusst. Wir sind Sparringspartnerinnen füreinander, wir setzen auf Dialog, wenn Sichtweisen sich einmal unterscheiden, wir entwickeln gemeinsam Ziele und Lösungen, und ganz wichtig ist es uns, mit Freude zu führen.

„Ich wusste gar nicht, dass so was hier angeboten wird“, meinten SWM-Kolleginnen vor vier Jahren bei unserem Einstieg ins Topsharing. Das wurde es bis dahin ja auch nicht – kein Grund freilich, es nicht selbst anzustoßen. Ein kluges, zukunftsfähiges Unternehmen wertschätzt Eigeninitiative. Und es lässt die beruflichen Kompetenzen seiner Beschäftigten nicht verkümmern in Zeiten, in denen das Leben mehr von ihnen fordert als eine Vollzeitkarriere.   

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Zu den Personen
Nicole Gargitter, Betriebswirtin, und Dr. Clara Kronberger, promovierte Elektrotechnikerin, arbeiten seit 2010 bei den Stadtwerken München, einem der größten Energie- und Infrastrukturunternehmen Deutschlands. Seit mehr als zehn Jahren gehen sie ihren Arbeitsweg zusammen – aktuell beide in Teilzeit. Mittels Coachings haben sie ihre gemeinsame Führungsstrategie, ihre Erwartungen und ihr Verständnis füreinander geschärft.

Autorinnen: Nicole Gargitter und Dr. Clara Kronberger

Foto: SWM

 

Dieser Artikel wurde erstmals in der UNTERNEHMERIN (2021/1) veröffentlicht.