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„Die Rolle als Chefin gefällt mir – zur Unternehmerin habe ich mich erst entwickelt. Seid mutig, glaubt an Euch und macht einfach!“

Mit nur 20 Jahren übernahm Maria Obermeier das Familienunternehmen OBM Baumaschinen GmbH, nachdem ihr Vater bei der Arbeit durch einen Unfall verunglückte. Gegen zahlreiche Widerstände hinweg, führt sie das Unternehmen mutig in eine erfolgreiche digitale Zukunft.

Ihre Begeisterung für große Maschinen entdeckte die Unternehmensnachfolgerin bereits in jungen Jahren. Schon als kleines Kind ist sie zusammen mit ihrem Vater Bagger gefahren und verbrachte viel Zeit in der Firma, die Anfang der 80er Jahre gegründet wurde und sich als Mietgeschäft für Baumaschinen in einem dörflichen Umkreis in der Oberpfalz schnell höchster Beliebtheit erfreute. Nach einer zweijährigen Ausbildung zur technischen Zeichnerin für Maschinenbau in einem weltweit agierenden Unternehmen für die Fahrzeug-Innenausstattung, absolvierte Maria Obermeier eine verkürzte Ausbildung zur Bürokauffrau im elterlichen Betrieb.

Zu diesem Zeitpunkt fasste die junge Frau die Unternehmensnachfolge als mögliche berufliche Option erstmals ins Auge. Ihr nächster Schritt sah die Teilnahme an einer berufsbegleitenden Weiterbildung zur Wirtschaftsfachwirtin in Regensburg vor. Erste Einblicke in die Baubranche wollte sie durch diverse Praktika in anderen Unternehmen sammeln. Durch den plötzlichen Tod ihres Vaters wurden ihre Pläne jedoch von dem einen auf den anderen Tag umgeschmissen und sie von einer Auszubildenden zur Geschäftsführerin.

Entgegen vieler skeptischer Stimmen, die der damals 20-jährigen Frau davon abrieten, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, entschied sich Maria Obermeier für die Nachfolge. „Alle haben mir davon abgeraten und gesagt, das wird definitiv nicht funktionieren. Die Baubranche sei eine harte Männerdomäne und das würde ich als junge Frau nicht schaffen”, erinnert sich die heutige Unternehmerin, die letztlich mitten in einem Beratungsgespräch entschlossen aufgestanden ist und sagte: „Komm Mama, wir fahren jetzt.” Maria Obermeiers Mutter hat sie an der Firma aussteigen lassen und damit war entschieden: Sie ist von nun an die Chefin des Gebrauchtmaschinenhandels.

Die erste Zeit war alles andere als einfach. Die ehemaligen Mitarbeiter verließen nach und nach den Betrieb. Einer von ihnen gründete sogar einen Konkurrenzbetrieb und beeinflusste die bestehende Kundschaft zum Nachteil der jungen Geschäftsführerin. Trotz aller Widrigkeiten entschied sich Maria Obermeier fürs Weitermachen und holte sich Unterstützung durch zwei neue Mitarbeiter, die sie persönlich kannte und die sie im Büro und der Werkstatt unterstützten. Nach und nach schaffte sie es das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Unterstützt wurde die Unternehmensnachfolgerin in dieser herausfordernden Zeit von ihrer Mutter, die die Erbin des Unternehmens war und dafür haftete. „Sie hat mir freie Hand gelassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich abliefern muss. Sie hat mich nur gefragt, wie es mir geht“, beschreibt Maria Obermeier die erste Zeit in ihrer neuen Rolle.

Jene familiäre Rückendeckung setze bei Maria Obermeier Kräfte frei. Mit Mut und einer großen Portion Zuversicht trotzte sie allen anfänglichen Schwierigkeiten und verwirklichte in kleinen stetigen Schritten große Veränderungen. Heute beschäftigt das Unternehmen elf Mitarbeiter*innen, allein im Jahr 2020 wurden vier neue Personen eingestellt. Frauen sind in der Überzahl und trotzen der gängigen Meinung, dass die Baubranche eine reine Männerdomäne sei. Unter Maria Obermeiers Führung erwirtschaftet die OBM Baumaschinen GmbH einen jährlichen Umsatz im siebenstelligen Bereich.

Bei der Übernahme war der Betrieb primär ein Gebrauchtmaschinenhandel. Mit dem Antritt der Nachfolge erweiterte Maria Obermeier das Angebot um Neumaschinen und investierte in einen fest ausgebauten und modernen Mietpark, der einen beständigen Pool von Klein- und Großgeräten enthält. Dabei haben es der Kundschaft insbesondere die Bagger angetan. Seit mehreren Jahren veranstaltet die OBM deshalb ein sogenanntes Benefizbaggern. Jeder darf gegen eine Spende baggern, was das Zeug hält. Der Erlös, der sich mittlerweile im vier bis fünfstelligen Bereich bewegt, wird im nächsten Schritt für einen guten Zweck gespendet.

Seit der Übernahme hat die junge Unternehmerin den elterlichen Betrieb in das digitale Zeitalter überführt und ergreift jede Chance ihre eigenen Ideen in die Tat umzusetzen. Neben der Ausgestaltung einer neuen Corporate Identity steht als nächstes die Entwicklung eines Online-Tools zur Baggermiete an. Parallel dazu setzt die Baumaschinen-Expertin auf die Nutzung von YouTube und Instagram. Mit Freude wechselt sie dabei die Rolle der Geschäftsführerin und lässt sich in voller Arbeitsmontur dabei filmen, wie sie souverän und mit Begeisterung Baumaschinen bedient. „Diese Kanäle ermöglichen es meinem Team und mir unsere Begeisterung für Baumaschinen zu teilen, die doch etwas Handfestes und einfach ziemlich cool sind“, erzählt Maria Obermeier. Das Ergebnis lässt sich sehen: informative Erklärvideos direkt von der Chefin.

 

Maria Obermeier, Gewinnerin der familieninternen Nachfolge, she succeeds award 2021

OBM Baumaschinen GmbH

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she succeeds award

Der she succeeds award, die Auszeichnung des Verbands deutscher Unternehmerinnen für die „Unternehmensnachfolgerin des Jahres“, ist der erste und einzige Preis in Deutschland, der weibliche Nachfolgeunternehmerinnen auszeichnet und sie als Vorbilder sichtbar macht. Der VdU kürt damit unter der Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zwei außergewöhnliche Frauen, die den mutigen Schritt als familieninterne und externe Nachfolgerinnen gegangen sind. Der Preis soll Unternehmertum auch in der Nachfolge als eine interessante Karriereoption herausstellen.