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„Darum brauchen wir 5G an jeder Milchkanne“

Trotz des Regenwetters trafen sich am 5. September 30 Unternehmerinnen in der Futtermühle von Kristin Röschmann, um das Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit, insbesondere auch in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein, zu diskutieren. Und da ist das Traditionsunternehmen von Kristin Röschmann ein hervorragendes Anschauungsbeispiel, denn hier wird Tradition mit modernen Technologien zusammengeführt.

Kristin Röschmann führt in vierter Generation ein Traditionsunternehmen. Ihre Futtermühle, die Hadenfelder Mühle im Kreis Steinburg, besteht seit fast 500 Jahren und produziert Futtermittel, die regional aber auch international vertrieben werden. In der Produktion treffen Handwerk und industrielle Fertigung aufeinander: einige Prozesse werden von Hand abgewickelt, manche sind automatisiert und ein Roboter kommt inzwischen auch zum Einsatz. Neben dem Landhandel führt Frau Röschmann das „Grüne Warenhaus“, in dem alles erhältlich ist, was im ländlichen Raum und von Tier- und Gartenfreunden benötigt wird. „Es ist mein Ziel, das Unternehmen für die nächsten 500 Jahre fitzumachen“ erläutert sie mit großem Stolz und kleinem Augenzwinkern, um dann aber ernst zu werden. „Die Digitalisierung ist auch für uns ein Thema. Wir haben viele gute Ideen, aber die können wir nur dann umsetzen, wenn auch die Infrastruktur vorhanden ist. Darum brauchen wir 5G an jeder Milchkanne.“

Insgesamt sind 30 im Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) engagierte Unternehmerinnen aus Schleswig-Holstein, Hamburg der Einladung von Kristin Röschmann nach Hadenfeld gefolgt um bei durchwachsenem Wetter ihre Erfahrungen auszutauschen und den Traditionsbetrieb zu besichtigen. Die Inhaberin gibt Einblicke in den gesamten Produktionsprozess, von der Annahme der Rohware und deren Aufbereitung über die Herstellung und die Kommissionierung der Futtermittel.

In einer Podiumsdiskussion treffen Tradition und StartUp aufeinander: Kristin Röschmann und die Gründerinnen von Tales and Tails, Stella Mohr und Cathrin Hansen, haben Gegensätze aber auch viele Gemeinsamkeiten gefunden. Traditionsunternehmen und Start-Ups können wechselseitig voneinander profitieren und lernen.  Tales und Tails vertreiben mit witzigen Slogans Hundefutter, das sie in Island aus Fisch herstellen lassen. In der isländischen Fischereiwirtschaft spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle, es gibt Fangquoten, die die Sicherung der Fischbestände gewährleisten.

„Die Unternehmerinnen im ländlichen Raum haben die gleichen Bedürfnisse wie die in der Stadt. Die Themen Digitalisierung, Infrastruktur, Fachkräftemangel und Nachhaltigkeit beschäftigen uns alle“ resümieren Manuela Görcke und Birgitt Ohlerich, Vorsitzende des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU) in Schleswig-Holstein und Hamburg, am Ende der Podiumsdiskussion.

Der VdU vertritt seit 1954 als Wirtschaftsverband branchenübergreifend die Interessen von Unternehmerinnen. Seit 65 Jahren setzt sich der VdU für mehr weibliches Unternehmertum, mehr Frauen in Führungspositionen und bessere Bedingungen für Frauen in der Wirtschaft ein. Derzeit repräsentiert der VdU über 1.800 frauengeführte, insbesondere mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung. Die Mitglieder des VdU erwirtschaften zusammen einen Jahresumsatz von 85 Milliarden Euro und beschäftigen 500.000 Menschen.

Der Besuch endet mit einem geselligen Zusammenkommen und angeregtem Austausch über bereits angewandte Technologie und einigen Verabredungen zum weiteren Austausch.