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Aufbruch für Female Founders

Nur knapp 18 Prozent der Start-ups in Deutschland werden von Frauen gegründet, 82 Prozent von Männern. „Wir brauchen mehr!“, stellt Rosie Schuster in dem mit mehr als fünfzig Gründer*innen, Investor*innen und Politiker*innen gut gefüllten Saal der Event-Location im Münchner Kreativquartier fest.

Damit setzte sie ein klares Signal in der gemeinsamen Veranstaltung der Münchner FDP und des bayerischen VdU, deren Vorsitzende Schuster ist. Das Potential der Frauen, die das Zeug zum Gründen haben, werde längst nicht ausgeschöpft. Und wenn sie gründen, bekommen sie meist deutlich weniger Geld als Männer. Kaum eine Gründerin erhalte eine Finanzierung über einer Million Euro. Gründerinnen stehe schlicht weniger Kapital zur Verfügung.

Die Ursachen trugen Teilnehmerinnen dann aus verschiedenen Perspektiven zusammen. Männliche Investoren können sich wohl besser mit männlichen Gründern identifizieren als mit weiblichen, erklärte Schuster. Oft haben Gründerinnen nicht so ein gutes Netzwerk wie Gründer, weil die beste Freundin eben Lehrerin und nicht Anwalt oder Banker geworden ist. Der unbewußte Gender Bias führt zusätzlich dazu, dass vorgefasste Klischees bestätigt werden. So fragen Investoren die Gründer im Auswahlprozess eher nach ihrer Vision, Gründerinnen sollen stattdessen möglichst konkret erklären, wie sie zum Beispiel Personal und Vertrieb aufbauen wollen. 

ByeByeToe-Gründerin Marie Mueller und herCareer-CEO Natascha Hoffner berichteten sehr anschaulich, wie schwierig es für sie zuächst war, in der männlich dominierten Finanzsene überhaupt passende Ansprechpartnerinnen zu finden. Venture Fonds-Vertreterinnen wie Juliane Hahn von Signature Ventures und Sarah Theinert von UVC Partners wiederum erzählten von der Herausforderung, passende Female Founders für ihren Fonds zu rekrutieren, vor allem im Tech-Bereich. Das Henne-Ei-Problem müsse die Politik über Quote, Doppelspitzen und staatliche Förderung angehen, waren sich die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Wolfgang Heubisch, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, weitgehend einig. So können etwa auch ein staatlich geförderter Evergreen-Fonds für Female Founders einen echten gesellschaftlichen Mehrwert bieten. Auch die alten, immer noch uneingelösten Forderungen nach längere Kinderbetreuung und Abschaffung des Ehegattensplittings fanden breite Unterstützung.

Insgesamt ging von der Veranstaltung in München ein positives Aufbruchssignal auf. Die Botschaft an die junge Gründerinnen: Sich trauen! Loslegen! Einfach machen! Erfolgreiche Unternehmerinnen hingegen müssten als Role Models noch sichtbarer, weibliche Netzwerke weiter gestärkt werden.  Gesagt und am gleichen Abend getan. Ein weitere Schritt auf einem langen Weg, in einer besonders powervollen Atmosphäre mit Frauen in München, die sich nicht aufhalten lassen.