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Solide und generationengerecht bleiben – für eine finanzierbare Alterssicherung

Der Bundestagswahlkampf wirft seine Schatten voraus: Verkürzungen und Verzerrungen haben Konjunktur. Auch die gesetzliche Rentenversicherung ist Gegenstand eines parteipolitischen Überbietungswettbewerbs.

Im Fokus steht die angebliche soziale Schieflage des Rentensystems. Alarmmeldungen verkünden eine vermeintlich drohende massenhafte Altersarmut. Deren Berechnungen sind allerdings nicht verlässlich. Sie lassen im Gegenteil relevante Faktoren außen vor:

So wurde von gewerkschaftlicher Seite in die Vorausberechnung zukünftiger Renten keinerlei Lohnzuwachs einbezogen. Die Arbeitsministerin wiederum suggerierte in ihrer Warnung vor der „Rutschbahn“, auf der sich das Rentenniveau befinde, dass die Renten sinken würden. Beides ist mindestens irreführend.

Dass ausgerechnet Gewerkschaften damit kalkulieren, bis 2030 keine Lohnerhöhungen zu erreichen, an deren Entwicklung die Renten ja gekoppelt sind, ist absurd. Auch das oft genannte Rentenniveau ist kein absoluter Wert, sondern eine relative Größe. Sie gibt das Verhältnis von Durchschnittsrente zu Durchschnittslohn an – ein sinkendes Rentenniveau besagt also keineswegs, dass die Renten sinken, sondern dass sie im Verhältnis zur Lohnsteigerung langsamer wachsen. Die individuellen Renten werden nach geltender Gesetzeslage weiter steigen – um etwa 1 bis 2 Prozent jährlich. So die Berechnung der Experten des Bundesarbeitsministeriums, die entsprechenden Alarmmeldungen die Grundlage entziehen.

Aktuell bezieht jeder dreißigste Rentner Leistungen aus der Grundsicherung. Jeder einzelne Fall ist ohne Zweifel belastend und bedauerlich. Aber ein Armutsproblem für unsere Gesellschaft als Ganzes lässt sich daraus ebenso wenig ableiten wie ein Versagen der gesetzlichen Altersvorsorge.

Der Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und Alterseinkommen ist evident. Das Risiko einer Bedürftigkeit im Alter droht neben erwerbsgeminderten Personen vor allem jenen, die keinen Berufsabschluss erworben haben, die nie erwerbstätig oder jahrelang arbeitslos waren. Außerdem sind kleine Selbstständige, die nicht privat vorgesorgt haben und keine freiwilligen Beiträge leisten konnten, im Alter entsprechend schlecht abgesichert. Auch diese Gruppe muss überdurchschnittlich häufig Leistungen der Grundsicherung in Anspruch nehmen.

Um dieser Bedürftigkeit vorzubeugen, tritt der Verband deutscher Unternehmerinnen dafür ein, eine verbindliche, aber eigenverantwortliche Altersvorsorgeleistung für alle Selbstständigen gesetzlich festzulegen. Dies kann wahlweise durch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder in einer privaten Vorsorgeform geschehen. Eine generelle Rentenversicherungspflicht für unternehmerisch Tätige beispielsweise in der Künstlersozialkasse lehnen die deutschen Unternehmerinnen dagegen als zu bürokratisch ab.

Insbesondere Frauen erwerben aufgrund von Erwerbsunterbrechungen oder Teilzeittätigkeit vielfach niedrige Rentenansprüche, die in eine entsprechende geringe Absicherung im Alter münden. Hier macht sich ein gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Erwerbsjahren in jeder Frauengeneration stärker bemerkbar, den die deutschen Unternehmerinnen mit Blick auf das Ziel einer Harmonisierung der Erwerbsbiografien nachdrücklich unterstützen.

Auch vor diesem Hintergrund begrüßen die deutschen Unternehmerinnen die beschlossene Flexibilisierung der Altersrente, die eine Erwerbstätigkeit auch über die Regelaltersgrenze hinaus attraktiver machen soll. Es ist sehr zu wünschen, dass sich ein Paradigmenwechsel hin zu flexibler und vielfältiger Erwerbstätigkeit Älterer entfaltet, auch wenn die Fachkräfteeinbußen durch die Rente mit 63 voraussichtlich nicht ausgeglichen werden können.

Die Reformen Anfang der 2000er Jahre mit der Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors und der Kopplung an die Nettolohnentwicklung haben die gesetzliche Alterssicherung vorausschauend auf die demografische Herausforderung eingestellt. Die Umlagefinanzierung führt bei steigender Lebenserwartung und niedrigen Geburtenziffern unausweichlich zu einem Ungleichgewicht der Belastungen. Anfang der sechziger Jahre wurde ein Rentner von sechs Erwerbstätigen finanziert, heute erbringen nur noch zwei Erwerbstätige diese Leistung. Im gleichen Zeitraum haben sich die Rentenbezugsjahre verdoppelt, weil die Menschen älter werden.

Es ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft, dass wir immer älter und immer agiler älter werden. Aber unsere Alterssicherungssysteme müssen mit dieser Entwicklung Schritt halten, vor allem wenn 2030 die Generation der Babyboomer in den Ruhestand gehen wird. Die deutschen Unternehmerinnen unterstützen daher Überlegungen des Sachverständigenrates, das Renteneintrittsalter perspektivisch an die Lebenserwartung zu koppeln, um die Überforderung der nachwachsenden Generationen zu vermeiden und die Lohnzusatzkosten zu begrenzen.

November 2016

 

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