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Priorität für berufs- und leistungsorientierte Bildung

Bildung ist ein wertvolles Gut in einer freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Die Herausbildung einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit, die Aneignung von allgemeinbildenden und spezifischen Kenntnissen sowie eine grundsätzliche Leistungs- und Mitwirkungsbereitschaft sind zentrale Voraussetzungen für die politische ebenso wie für die wirtschaftliche Teilhabe in unserem Gemeinwesen.

Das gilt umso mehr, wenn das Wissen wie in Deutschland den wichtigsten Rohstoff einer Volkswirtschaft darstellt: Ideen und Innovationen sind die entscheidenden Grundlagen unserer Wirt-schaftskraft, sie sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit zugleich den Wohlstand unserer Gesellschaft.

Um den Herausforderungen der Globalisierung und des demografischen Wandels gewachsen zu sein, brauchen wir ein berufs- und leistungsorientiertes Bildungssystem, das die differenzierende Förderung in den Mittelpunkt stellt.

Von der frühkindlichen Bildung über die schulische bis hin zur beruflichen oder akademischen Ausbildung ist es den Unternehmerinnen ein Herzensanliegen, dass alle Kinder und Jugendlichen nach ihren Talenten gefördert und zu einem individuellen Bildungserfolg geführt werden.

Der VdU begrüßt nachdrücklich, dass auch für die Jüngsten ein öffentliches Bildungsangebot etabliert ist, das sich steigender Nachfrage erfreut; inzwischen besucht eines von drei Kindern unter drei Jahren eine frühkindliche Bildungseinrichtung.

Da gerade Kinder aus bildungsfernen Familien ebenso wie Kinder mit Migrationshintergrund elementar von entsprechenden Bildungsangeboten profitieren können, unterstützen die deutschen Unternehmerinnen weitergehende Bemühungen, um ein zeitlich und räumlich bedarfsgerechtes Bildungsangebot für Kinder aller Altersstufen bis hin zu einem flächendeckenden Ganztagsschulangebot sicherzustellen.

Entscheidend für das Potenzial einer lernenden und integrativen Gesellschaft ist die Qualität der vor- und nachschulischen Bildung und Betreuung. Darauf aufbauend sind gute Schulbildung und leistungsorientierte Ausbildung Zukunftsgaranten unserer Wissensgesellschaft.

Die deutschen Unternehmerinnen sehen mit hoher Zufriedenheit und ebensolchen Erwartungen, dass gerade Frauen heute so gut ausgebildet in die Berufs¬tätigkeit starten wie nie zuvor. Diese Entwicklung gilt es zu stärken und mit Blick auf bessere Aufstiegschancen insbesondere die Diversifizierung der Studien- und Berufswahl von Frauen hin zu mehr MINT-Fächern und zu den Hochlohnsektoren der deutschen Wirtschaft zu fördern. 

Neben einer grundsätzlichen Lern- und Leistungsbereitschaft ist die Beherrschung der elementaren Kulturtechniken Grundlage des Bildungserfolges. Zusätzlich gehören heute digitale Grundkenntnisse und ein gutes Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge zu den Basisanforderungen an die Ausbildung junger Menschen.

Dabei sollen alle Qualitätsstufen unseres Bildungssystems gleichermaßen gewichtet und wertgeschätzt werden. Die Chancen müssen für alle gleich sein, die Ergebnisse werden sich unterscheiden. Eine Fokussierung allein auf die akademische Ausbildung verkennt die hohen Bedarfe und Leistungen in der beruflichen Bildung.

Das duale Ausbildungssystem ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Schon jetzt haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, frei werdende Facharbeiterstellen neu zu besetzen. Dass die Zahl der Studienanfänger pro Jahrgang inzwischen die Zahl der neuen Auszubildenden übertrifft, zugleich aber zehntausende Ausbildungsplätze aus Mangel an geeigneten Bewerbern unbesetzt bleiben, ist Ausdruck dieser bildungspolitischen Schieflage.

Aus Sicht der Wirtschaft sind Ausbildungsreife und Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen die Hauptaufgaben des deutschen Bildungssystems. Nur nominell erreichte Bildungsabschlüsse, die durch eine Minderung der Anforderungen erzielt werden, sind kontraproduktiv. Das gilt sowohl für die Bemühungen, den seit einigen Jahren bei über 50 Prozent liegenden Jahrgangsanteil an Abiturienten weiter zu steigern, als auch für Bestrebungen, die trotz Bologna-Reform mit rund einem Viertel noch immer hohe Quote der Studienabbrecher zu senken.

Im Kern brauchen wir eine Rückbesinnung auf die Stärken eines breit aufgestellten und soliden Bildungssystems, das die Lernenden nach ihren Fähigkeiten fördert und fordert und das vor allem nicht in sechzehn unterschiedliche Lehr- und Lernphilosophien auseinanderfällt. Unabhängig vom jeweiligen Bundesland müssen Wissensvermittlung und Leistungsbewertung sachgerecht und vergleichbar sein, in der Schule ebenso wie auf weiterführenden Bildungswegen. Ein Umzug darf kein Schuljahr kosten – und selbstverständlich auch kein Semester.

Nicht Ort oder Schultyp, sondern die vermittelten Lerninhalte zählen. Wir brauchen eine neue Qualitätssicherung in der Bildungspolitik – mit einer attraktiven beruflichen Ausbildung, einem starken schulischen Mittelbau, einem hohen Gymnasialniveau und einer anspruchsvollen Hochschulbildung bis hin zur universitären Exzellenz.

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