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Mehr Flexibilität für Unternehmen und ihre Beschäftigten

Unsere Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Die Zukunft der Wirtschaft wird vernetzter, digitaler und flexibler sein. Technischer Fortschritt, weltumspannender Wettbewerb und die demographische Entwicklung stellen uns vor neue Herausforderungen und bieten zugleich neue Perspektiven und Chancen für die Unternehmen und ihre Beschäftigten.

Viele Entwicklungen sind schon weit vorangeschritten. Die Möglichkeiten der Verarbeitung, Speicherung und Verbreitung von Informationen erweitern sich exponentiell. In der Folge ist Arbeit immer häufiger nicht mehr an einen festen Ort gebunden und kann auch zeitversetzt erfolgen.

Auch die neuen Produktionsformen sind von wachsender Flexibilität geprägt. Von Just-in-Time-Fertigung unter begleitendem Kunden-Monitoring bis zur robotergestützten Speed-Factory sind die Entwicklungstendenzen und Potenziale dieser technischen Umwälzungen erst in Ansätzen absehbar. 

Neue Tätigkeits- und Geschäftsfelder sind entstanden. Projektarbeit und unternehmensnahe Dienstleistungen wachsen überproportional und nehmen an gesamtwirtschaftlicher Bedeutung zu. Der Anteil des Dienstleistungssektors an der Bruttowertschöpfung der deutschen Wirtschaft ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und liegt heute bei über zwei Dritteln.

Auch die Arbeitsorganisation hat sich gewandelt: Flache Hierarchien in multipler Teamarbeit sind gefragt, um möglichst rasch auf veränderte Anforderungen und Marktentwicklungen reagieren zu können. Entscheidungsfindung und Entscheidungskompetenzen werden auf mehr Schultern verteilt.

All diese Faktoren zusammengenommen schaffen enorme Potenziale. Unsere Arbeitswelt wird offener und vielfältiger. Stärker lebensphasenorientierte Erwerbsverläufe und variable Beschäftigungsformen werden zunehmen, standardisierte Tätigkeiten und Berufe dagegen eher unter Druck geraten.

Entscheidend ist aus Sicht der Unternehmensverantwortlichen, dass die Regelungskompetenzen vor Ort nicht durch bürokratische oder althergebrachte Vorgaben eingeengt oder gar außer Kraft gesetzt werden.

Hier hat der Versuch, die Werk- und Dienstverträge regulativ zu begrenzen, durchaus falsche Signale gesetzt. Mit solchen Restriktionen wären Zukunftschancen verringert und Rückschritte unserer gesamtwirtschaftlichen Entwicklung riskiert worden, da Werk- und Dienstverträge unverzichtbarer Bestandteil einer arbeitsteiligen modernen Wirtschaft sind.

Umgekehrt hätte ein Zeichen gesetzt werden sollen, um weniger statt mehr Regulierung festzuschreiben. Die Politik ist gefragt, nicht in Abwehrdenken gegen Flexibilisierungstrends zu verharren, sondern gemeinsam mit Unternehmen und Beschäftigten in einen aktiven Gestaltungswettbewerb um die besten zukunftsfähigen Rahmenbedingungen einzutreten.
Wir brauchen mehr Flexibilität, um unternehmerische Belange im Einklang mit den Wünschen der Beschäftigten gestalten zu können. Dazu gehört auch, ein Instrument wie die Vertrauensarbeitszeit zu stärken.

Vor allem braucht das Arbeitszeitgesetz mehr Elastizität. Zunehmende Wünsche und Bedürfnisse der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität fallen hier mit zentralen unternehmerischen Zukunftsentwicklungen zusammen. Zum einen sollten Ausnahmen von der elfstündigen Mindestruhezeit möglich sein, sofern die Beschäftigten dies jeweils mittragen. Zum anderen sollte der Bezugsrahmen der gesetzlichen Arbeitszeitregelung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden.

So werden Selbstbestimmung und Selbstverantwortung der Beschäftigten ernst genommen, um die unternehmerische Arbeitsorganisation im beiderseitigen Einvernehmen gestalten und zentralen Zukunftsentwicklungen im ökonomischen Wettbewerb gerecht werden zu können.

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