Nachfolge

Unternehmensnachfolgerin Jessica Beitzel im Portrait

„Mir war und ist es wichtig zu zeigen, dass Selbstständigkeit und Familie kein Widerspruch sind”

 

Jessica Beitzel ist seit 2022 externe Nachfolgerin und alleinige Inhaberin des Bestattungsinstituts Hüsgen. Noch als Angestellte bekundete sie früh ihr Interesse an einer Nachfolge bei den vorherigen Inhaber*innen, dem Ehepaar Hüsgen, sodass die Übernahme über viele Jahre vorbereitet werden konnte. „Durch eine langsame Übernahme konnte ich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut einrichten“, sagt Jessica Beitzel, die zum Zeitpunkt der Übernahme zweifache Mutter war.

Das Bestattungshaus Hüsgen wurde 1950 gegründet und steht seitdem für Verlässlichkeit und Nächstenliebe. Seit 75 Jahren gestaltet das Unternehmen einen persönlichen Abschied für Hinterbliebene und ehrt das vergangene Leben der Verstorbenen. Dabei liegt der Fokus stets auf individuellen Vorstellungen, schließlich soll eine Trauerfeier zu der verstorbenen Person und den Wünschen ihrer Hinterbliebenen passen – ob traditionell, modern oder bunt und ausgefallen.  

Dass Jessica Beitzel Bestatterin werden möchte, wusste sie schon als 16-Jährige. Nach ihrem Schulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, die sie 2008 als Kammer-, Landes- und Bundessiegerin erfolgreich abschloss. 2012 absolvierte sie die Fortbildung zur Bestattermeisterin als Jahrgangsbeste. 2015 kam Jessica Beitzel als Angestellte zu Bestattungen Hüsgen im nordrhein-westfälischen Dormagen und plante schon frühzeitig mit dem Ehepaar Hüsgen ihre Nachfolge.  

Eines Tages ihre eigene Chefin zu sein, zog Jessica Beitzel schon als Angestellte in Betracht: „Ich wollte schon immer meine Ideen verwirklichen – so, wie ich mir dies vorstelle. Ich liebe es, neue Dinge auszuprobieren und umzusetzen, sich immer weiterzuentwickeln und nicht stehenzubleiben“, erzählt die Nachfolgerin. „Die Übernahme hat es mir ermöglicht, dies auf noch eine einfachere Weise zu realisieren.“ Ein bestehender Kundenstamm, der gute Ruf des Betriebs und auch die Erfahrung der Altinhaber*innen haben ihr auf dem Weg geholfen. Dass dieser Weg nicht ohne Hürden zu meistern sei, war Jessica Beitzel bewusst. Ursprünglich war die Nachfolge für 2024 geplant, aber bereits Mitte 2021 fragte das Ehepaar Hüsgen nach einer früheren Übergabe. Jessica Beitzel willigte ein, schrieb selbst den Businessplan und suchte sich weitere Unterstützung bei der Commerzbank und der Handwerkskammer Düsseldorf. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war ein Thema: „Kann ich meinen Kindern gerecht werden, und auch der Verantwortung meinen Mitarbeitern und unseren Kunden gegenüber?”, beschreibt sie. Aber diese Sorge hielt Jessica Beitzel nicht von der Nachfolge ab, im Gegenteil – sie fand Lösungen und baute sich ein gutes Netzwerk mit Struktur und Routinen auf, um Familie und Beruf gerecht zu werden. 

Seit ihrer Übernahme hat Jessica Beitzel viele Konzepte für das Unternehmen verwirklichen können. Ein Herzensprojekt war die Ausbildung zur Familientrauerbegleiterin und die Eröffnung des Hauses für Familientrauerbegleitung, um Eltern, Kinder und Jugendliche in der Trauer zu begleiten. Dazu gehörte auch ein Kinderbuch über Trauer, das Jessica Beitzel gemeinsam mit ihrem Mann Anfang 2025 veröffentlichte. Ein weiteres großes Anliegen ist die Aus- und Fortbildung ihrer Mitarbeitenden, beispielsweise als Tatortreiniger*in und demenzfreundliche Bestatter*in. Aber auch Vorsorge und Informationsbereitstellung sind Jessica Beitzel wichtig: Halbjährlich bietet das Bestattungsinstitut einen Informationsabend zum Thema Patientenverfügung an, unterstützt mit der Expertise von Rechtsanwält*innen und Versicherungen. In der operativen Tätigkeit des Unternehmens wurde die Digitalisierung vorangetrieben: Die Berater*innen sind mit Tablets ausgestattet, zudem gibt es eine Online-Gedenkseite und ein Angebot zur Reglung des digitalen Nachlasses. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Bestatterin ist Jessica Beitzel ehrenamtlich aktiv, insbesondere in den Bereichen Ausbildung und Nachwuchsförderung. Dafür engagiert sie sich in Prüfungsausschüssen für Bestattermeister*innen, als Vorsitzende für den Bestatterverband im Rhein-Kreis-Neuss und als Dozentin.  

Jessica Beitzel hat noch viele Visionen, wie sie das Bestattungsinstitut weiterentwickeln möchte: „Für die Zukunft ist es mein Plan, immer mehr aus einer Hand anbieten zu können. Wir wollen Trauernden eine umfassende Begleitung ermöglichen und den Angehörigen so viel wie möglich abnehmen“, beschreibt sie.  

Als Botschaft möchte sie anderen Frauen mitgeben: „Glaubt an euch und lasst euch von niemandem einreden, ihr könnt es nicht schaffen. Ich hatte in meinem Werdegang immer mal wieder mit Missgunst zu tun oder damit, dass mir Menschen versucht haben, Steine in den Weg zu legen oder glaubten, dass ich als Frau niemals diesen Weg schaffen könnte.” 
 

Foto © VdU
Jessica Beitzel ist Gewinnerin in der Kategorie „familienexterne Nachfolge“ des she succeeds awards 2025. 
Bestattungen Hüsgen